Sozialprojekt bei den Beschützenden Werkstätten

Während meine Kommilitonen über Themen wie „die Eignung prozessoptimierender Betriebssysteme in Unternehmen“ schreiben, beschäftigt mich ein anderes Thema: Corporate Social Responsibility. Per definitionem seitens des Betriebs „ein freiwilliges Beitragen zur nachhaltigen Entwicklung“. Darunter fallen ökologische Aspekte gleichermaßen wie soziale und ökonomische. Prozessoptimierend, freiwillig, nachhaltig. Wie soll das harmonieren? Wie kann etwas gegeben, etwas beigetragen werden, während der Sinn des Handels im Tausch liegt? Wie kann CSR lebendig werden?

Diese Überlegungen führen mich zu den Beschützenden Werkstätten in Ingelfingen. Hier plane ich einen gemeinsamen Tag mit den dort arbeitenden und lebenden Menschen. Nicht nur ich werde meinen Horizont um diese Erfahrung, diesen gemeinsamen Tag erweitern. Mein Vorschlag, aus dem Gedanken ein sogenanntes „Sozialprojekt“ zu machen, umfasst die Teilnahme aller Auszubildenden und Dualen Studenten von MUSTANG.

Bei einem gemeinsamen Frühstück, aktiver Mitarbeit in den Arbeitsgruppen und dem Basteln von Taschen aus Jeans findet ein reger Austausch statt, es wird viel gelacht und gelernt, Freundschaften werden geschlossen. Die eingangs gestellten Fragen, welche die üblich behandelte Theorie darstellen, eingetauscht mit Unmittelbarem – und das Thema Corporate Social Responsibilty wird lebendig.

Ein Lachen füllt mein Ohr und meine Augen beobachten Blicke, die einander treffen, zunächst noch schüchtern, schon bald jedoch warm und herzlich. Jeder legt Hand an die Jeans und werkt. Während Taschen entstehen, entsteht freundschaftliche Nähe. Hier, in den Beschützenden Werkstätten in Ingelfingen, die seit 1967 Menschen mit Behinderung beschäftigt – im Raum Heilbronn und Hohenlohe sind es heute rund 1.300 Personen. Seit einiger Zeit kooperiert MUSTANG mit den Beschützenden Werkstätten, an diesem Septembertag arbeite ich mit vielen an einem Tisch. Viele, die hier tagtäglich arbeiten, viele unserer Auszubildenden, die einen Einblick in diesen Alltag bekommen, viele kreative Köpfe, viele Handwerker, viele Eigenheiten, eine Gemeinsamkeit. Niemandem kommt ein Begriff wie „CSR“ in den Sinn. Theorie lässt sich nicht gut einnähen, für die Verarbeitung braucht es anderes. Das bist Du und das bin ich, unter uns derselbe Fußboden, wir müssen nicht erst eine Brücke schlagen. Sie ist schon da. Ich blicke in ein offenes Gesicht, der zugehörige Körper hat sich eben auch ans Geländer gelehnt, und in ein Lächeln, das die Augen einschließt und mich umgehend auch. Menschlich, unmittelbar. Die elementarste und natürlichste Art des Tausches. Und beide gewinnen.

Auf außergewöhnliche Weise lehrreich bleibt die Erfahrung im Gedächtnis. Was noch besteht: Die veränderte Perspektive und der Wunsch nach mehr, nach weiteren solchen Tagen.